POST DYSTOPIA – Die Stadt nach der Krise Kurzzeitentwurf + Seminar

Blühende Nachbarschaften zwischen ausrangierten U-Bahn-Wagons in einem futuristischen Brooklyn, pionierhafte Siedlungen unter schützenden Kuppeln im ewigen Eis oder eine vom noch jungen Sozialismus gefärbte Industriestadt in der nun die Arbeiter – nicht mehr die Arbeit-  im Fokus stehen. Dies sind nur drei Beispiele von urbanen Utopien wie sie zahlreich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte und Jahrhunderte von Architekturschaffenden formuliert wurden. Die Motive dieser Entwürfe variieren von der Vision einer Gesellschaft, die den Klimawandel abgewendet hat, über die konstruktiven Möglichkeiten des technologischen Fortschritts, bis hin zum Drang nach politischen und gesellschaftlichen Veränderungen im Frankreich des frühen 20. Jahrhunderts. Der Blick auf die Gegenwart lässt kollektive Visionen vergleichbarer Größenordnung scheinbar vermissen – dabei müsste der von multiplen Krisen geprägte Zeitgeist ein ebenso breites thematisches Spektrum an Fragestellungen eröffnen.

In der aktuellen Auflage des Modules wollen wir gemeinsam den Blick auf eine mögliche Zukunft nach diesen Krisen richten. Was wäre, wenn es uns tatsächlich gelingt die gegenwärtigen Krisen zu meistern? Wie würden unsere Städte nach Überwindung von Kriegen, Ungleichheit, Klimawandel oder Desinformation aussehen? Welche Potentiale ließen sich hierdurch freilegen, um den urbanen Raum und dessen Nutzung zu transformieren?

Ziel des Moduls ist es somit, die Methodik der Gedankenexperimente utopischer Entwürfe wieder aufzunehmen und eigene Utopien in städtebaulichen Maßstäben zu entwickeln. Die Auseinandersetzung mit einer selbstgewählten aktuellen Problemstellung und deren narrativer Lösung bildet dabei Grundlage und roten Faden in der Erzählung der Utopie.

Zur tiefergehenden inhaltlichen Auseinandersetzung werden im Seminarteil des Moduls zunächst Ursprung und Definition des Begriffs Utopie erörtert, gefolgt von der Analyse verschiedener Referenzprojekte wie den eingangs Genannten vom amerikanischen Künstler Olalekan Jeyifous, Leichtbau-Pionier Frei Otto oder dem sozialistischen Vordenker Tony Garnier. Ergänzt wird die Analyse um weitere Projekte von u.a. Lebbeus Woods, den japanischen Metabolisten oder Paolo Soleri.

Im anschließenden Teil, dem Kompaktentwurf, gilt es sich eine eigene Problemstellung inkl. zukünftigem Lösungsszenario zu suchen und eine utopische Idee für die Stadt nach der Krise zu formulieren. Der Fokus liegt hierbei auf dem Ausformulieren eines klaren Konzepts, welches durch eine starke Erzählung in Plan und Modell begleitet werden soll. Praktische Zwänge rücken in den Hintergrund, um dem Gedankenexperiment den notwendigen Freiraum zu geben:

„Today, it is utopian just to believe that things won’t get worse. […], humanity has capabilities like never before, but those with the power lack ambition to make any of the changes that seem so desperately necessary. Perhaps some architectural utopianism wouldn’t be such a bad thing.”

– Douglas Murphy in “Last Futures”

Termine:

13.05. Präsentation Seminarergebnisse

10.06. Kolloquium KE

01.07. Präsentation KE

Die wöchentlichen Seminar-/Korrekturzeiten finden ebenfalls mittwochs – vorwiegend vormittags – statt.

Organisatorisches:

Das Modul gliedert sich in einen Seminar- und einen Entwurfsteil, beide Teile können nur zusammen belegt werden. Die Bearbeitung des Entwurfsteils kann in Einzel- oder Partnerarbeit erfolgen, insbesondere für Bachelorstudierende wird eine Bearbeitung in Partnerarbeit jedoch nachdrücklich empfohlen. Für die Partnerarbeit reicht es aus, wenn eine Person im Team einen Platz zugelost bekommt. Die Anmeldung muss zwingend über TuConnect erfolgen und dient der Registrierung beim Prüfungsamt.

Ansprechpartner
Eicke Janas