Urban Life Lab

Sebastian Kaus, Fahim Mohammadi

Parametrisches Entwerfen im Städtebau

New York, Neu-Delhi, Mexiko-City… – Urbanität hat viele Gesichter. Jede Stadt hat ihre eigenen Identitäten, Stärken und Herausforderungen. Die Qualitäten städtischer Räume hängen von vielen Faktoren ab: So sind es z. Bsp. die Gebäudedichte, die Größe und Anzahl der Freiräume oder die Breiten der Transiträume, die die Morphologie von Stadt bedeutend beeinflussen. Die Gestalt von Stadt wird geprägt von der Zusammensetzung und der Gewichtung dieser Faktoren. Im vorliegenden Seminar begreifen wir diese Faktoren als Parameter. Innerhalb eines städtischen Systems oder entwurflichen Konzeptes sollen bestimmte Variablen offen für Veränderungen bleiben: Welches sind die entscheidenden Parameter für eine urbane, qualitätvolle und lebenswerte Stadtgestaltung?

Um darauf Antworten zu finden, untersuchen wir zunächst bestehende Stadtordnungsprinzipien auf die sie charakterisierenden Parameter. In Referaten soll das komplexe Thema anhand von konkreten außergewöhnlichen Stadtbeispielen analysiert, interpretiert und anschließend im Seminar diskutiert werden.

Anschließend werden im Stegreif die gewonnenen Erkenntnisse experimentell umgesetzt und eine Stadtstruktur entwickelt, die visionär den zuvor definierten Parametern entspricht.
Die digitale Weiterentwicklung und Auslotung der Stegreif-Erkenntnisse erfolgt in der das Seminar begleitenden Medienwerkstatt. Hier wird die Zusammensetzung und Gewichtung der Parameter in verschiedenen Szenarien getestet. Ziel ist die Generierung einer spannungsvollen urbanen Raumtransformation.

Redmolen+Sundmolen

København: Redmolen+Sundmolen

Innerhalb der urbanen Stadtstruktur Kopenhagens soll auf dem Nordhafenareal die Rolle der beiden Molen Redmolen und Sundmolen neu definiert werden. Es ist eine intelligente Strategie zu entwickeln, durch die ein vitaler Stadtteil mit unverwechselbarem, einmaligem Charakter und starker Identität entsteht.  Mit einer hohen baulichen Dichte und konzentrierten Außenräumen soll die Nachfrage nach unkonventionellem und hochwertigem Wohnraum in Kopenhagen in innenstadtnaher Lage beantwortet werden, der auf vielfältige Weise den Bezug der Nutzungen zum Außenraum formuliert. Die Neuplanung bietet die Chance, durch die Hafenbecken eine qualitätvolle und spannungsreiche visuelle Inszenierung des Quartiers in seiner Gesamtheit zu erzeugen.

Die pulsierende Metropolregion “Øresundregion“, die Kopenhagen zusammen mit Lund und Malmö bildet, ist mit ihren 3,6 Mio. Einwohnern die Schnittstelle zwischen den Skandinavischen Staaten und dem übrigen Europa. Kopenhagen als Hauptstadt Dänemarks nimmt in dieser Region eine Sonderrolle ein, die durch den Bau der Verbindung über den Øresund noch verstärkt wurde. Dank stetigem Zuzug vor allem von AkademikerInnen, kreativen Köpfen, Studenten und zahlreichen Betrieben befindet sich die Stadt in einem Wachstumsprozess. Dem Anspruch an eine moderne europäische Metropolregion wird Kopenhagen durch eine vitale und intensive Stadtentwicklung der letzten Jahre gerecht: So kommen zu den Kopenhagener Klassikern der Architektur des 20. Jahrhunderts eine Vielzahl ambitionierter Einzelarchitekturen und die innovative Entwicklung zahlreicher innenstadtnaher Areale hinzu. Innenstadtnahe Hafenareale stehen für Stadterweiterungen zunehmend zur Verfügung, da die bisher industriellen Nutzungen an diesen zentralen Stellen sukzessive aufgegeben oder an andere Hafenstandorte ausgelagert werden. Dabei entwickelt sich der Hafen immer mehr vom Verkehr- und Handelsschwerpunkt zum kulturellen und gesellschaftlichen Zentrum der Stadt. Verstärkt sucht dabei die Stadt die Nähe zum und die Auseinandersetzung mit dem Wasser; zahlreiche (Wohn-) Projekte am Wasser zeugen von der Dynamik dieser Entwicklung in den letzten Jahren.

Neben einer starken Nachfrage nach Wohnraum insgesamt besteht in den letzten Jahren in Kopenhagen eine erweiterte Nachfrage nach Wohnformen auf kleinerer Fläche, die den Nutzer zeitlich nicht binden. Die Hauptnutzergruppen dieser Entwicklung sind in der Regel Paare oder kleine Familien und Singles, die für den begrenzten Zeitraum weniger Jahre eine Bleibe in Kopenhagen suchen. In Kombination mit Büro- und Gewerbeflächen (Ateliers, Loftbüros, Produktion) sind z.B. kompaktere Einheiten, die als „Nomadenhotel“, „Appartementtower“ oder „internationales Gästehaus“ genutzt werden, denkbar. So genannte „Boarding Häuser“ oder geeignete Appartementhäuser können separat den Nutzern zusätzlich zur Wohnnutzung zentrale Arbeits- oder Konferenzräume bieten. Sowohl zu diesen Wohn- und Arbeitsformen als auch zu den dazugehörigen Serviceeinrichtungen sollen Konzepte entwickelt werden, die im Sinne eines integrierten Gesamtkonzeptes ineinander greifen und sich ergänzen.

Lars Köhn