Geplante Urbanität

Urbanität verspricht eine besondere städtische Qualität, die durch hohe bauliche Dichte und Nutzungsvielfalt einen Ort der Begegnug und des Austausches schafft. Viele Stadtzentren profitieren von einer organisch gewachsenen und historisch entstanden Urbanität, die durch ein zufälliges Zusammenspiel von verschiedenen Nutzungen und Architekturen entstanden ist. Aber wie kann eine Urbanität in einem neuen Quartier geplant und umgesetzt werden?

Tübingen entdeckte bereits in den 1990er Jahren eine eigene Formel für die Planung lebendiger Quartiere nach dem Prinzip der „Stadt der kurzen Wege“, in der Wohnen und Arbeiten Tür zu Tür stattfinden und Freiräume als Orte der Begegnung fungieren. Die wesentlichen Komponenten der Tübinger Formel sind die klare städtebauliche Struktur, die kleinteilige und flexible Parzellierung, die autoarmen Freiräume, die Umsetzung mit selbstorganisierten Baugemeinschaften und die Grundstücksvergabe nach Konzept. Auf diese Weise hat Tübingen in den vergangenen 30 Jahren mehrere Brachflächen in gemischte, urbane Quartiere umgewandelt. Obwohl die Planungsziele und die städtebaulichen Instrumente ähnlich blieben, entstanden Quartiere mit unterschiedlichen städtebaulichen Strukturen und Atmosphären.

In Sommersemester 2022 möchten in den Tübinger Wissensspeicher eintauchen, um die modellhaften Planungsverfahren und die Vielfalt an urbanen Quartieren kennenzulernen.

EXKURSION
06.05. – 09.05.2022 nach Tübingen
Die Teilnahme an der Exkursion ist Voraussetzung für die Teilnahme am Seminar, da die wichtigsten Informationen vor Ort in den Quartieren ermittelt werden.

ZIEL UND METHODE
Durch eine umfassende Analyse möchten wir die Lerneffekte der Tübinger Quartiersentwicklung für unsere eigenen Entwurfsprojekte (z.B. im Masterentwurf) und für die Fachöffentlichkeit verfügbar machen. Die Bearbeitung erfolgt in Gruppen und wird in vier Bausteinen gegliedert:

  • Literaturrecherche
  • Inputs und Stadtführungen
  • Diskussionen und Einzelgespräche
  • Eigenständige Arbeit und Finalisierung

ERGEBNISSE
Eine gemeinsame Publikation soll die Analyse der Quartiere in Kurztexten, Illustrationen und Fotografien festhalten. Die Publikation und die erarbeiteten Materialien werden der Stadt Tübingen zur Verfügung gestellt und digital sowie gedruckt veröffentlicht, um die Ergebnisse für die Praxis und den wissenschaftlichen Diskurs zugänglich zu machen.

Ansprechpartnerinnen:
Larisa Tsvetkova
l.tsvetkova@tu-bs.de
Christin Bolling
c.bolling@tu-bs.de

ZAG/LJU/TRI/VEN

EKX 2018

Unsere diesjährige Exkursion führt uns von Zagreb über Ljubljana und Triest zur Architekturbiennale in Venedig. Die Anmeldung erfolgt bis zum 15.02. bei uns am Institut, die Teilnahme wird gelost. Der Eigenanteil wird ca. 250€ betragen.

Grand Tour .09 Tessin/Emilia Romagna

///// Tessin/Emilia Romagna; 19-27.09.2009; 39 Teilnehmer

Das Tessin, die italienische Schweiz, ist gesegnet durch ein mildes Mikroklima und eine architektonische Moderne, die mit ortsbezogenen Antworten versucht, das traditionelle Bauen mit dem Fortschritt in eine befruchtende und achtsame Kontinuität zu bringen: Städte arbeiten an ihrem Charakter, Bergdörfer versuchen den Sprung in die Gegenwart und unauffällige Orte in der Peripherie der großen Nord-Süd-Autobahnroute entwickeln eine ungeahnte Identität. Namen wie Snozzi, Vacchini, Galfetti, Cavadini stehen für diese Tessiner Moderne, von deren Arbeitsweise zu lernen und abzugucken sich lohnt.

Die Emiglia Romagna ist eher den Freunden des guten Essens bekannt. Doch gibt es hier wunderbar erhaltene Stadtkerne, die zum Hausschatz der Europäischen Stadt gehören (wie Mantua, Bologna, Ferrara).

Frei von Überformungen sind aber auch die norditalienischen Städte nicht geblieben: der „Rationalismo“ der faschistischen Moderne hat schon in den 30er Jahren Stadtumbau versucht (Terragni ea.), der „Neorealismo“ der Nachkriegsmoderne, später der typologische Ansatz um Muratori und Rossi verschrieben sich der Fortentwicklung der urbanen Textur. Aktuelle Interventionen schreiben weiter am Text der Stadt.

Wir haben zwei sehr gegensätzliche Regionen besucht: das gebirgige Tessin und die in ihrer Flachheit kaum zu überbietende Region um die norditalienische Stadt Modena in der Po-Ebene. Dabei konnten wir Städtebau, Architektur und Freiraum im Kontext erleben und den Zusammenhang von Stadtraum und Alltagskultur, von Landschaft, Lebensgefühl und Geschmack nachspüren.