Campus Venezia

Individuelle Reise oder Massentourismus – die Tourismusbranche ist eine der elf Kernsektoren des Übergangs zur „Grünen Wirtschaft“ [The Green Economy Report, UNEP, 2011]. In der neuen ‚Akademie für nachhaltigen Tourismus und Sprachen‘ werden der Entwurf, die Neu- und Umgestaltung von Tourismus-Konzepten und -Angeboten sowie Sprachkompetenzen vermittelt. Hierbei geht es um die Entwicklung sowohl nachhaltiger als auch soziokulturell verträglicher Urlaubsformen.
Der Campus der neuen Akademie – verortet in Venedig, dem Sehnsuchtsort vieler Touristen aus der ganzen Welt – soll dabei selbst als „best-practice“ Projekt dienen. Es gilt, die Proportionen und Struktursprache der Stadträume Venedigs aufzugreifen und neu zu interpretieren: Bei der nachhaltigen Gestaltung des Quartiers bieten sich hierbei Ansätze vom Entwurf energieeffizienter Strukturen bis hin zum intelligenten Umgang mit den sich häufenden Hochwassern. Die Studierenden der Akademie werden für die Zeit des Studiums nicht nur flüchtige Besucher (und Stadt-Konsumenten) sein, sondern Bewohner auf Zeit werden. So soll das in unmittelbarer Nähe zum Kreuzfahrtterminal Venedigs gelegene neue Campus-Quartier neue Möglichkeiten für zukünftige Formen des Lernens und des Zusammenlebens öffnen. Der Schwerpunkt Lehre soll mit hochwertigem Wohnraum verknüpft und mit Freizeitangeboten sinnvoll ergänzt werden. Das große Potenzial der Lage des Areals direkt in der Innenstadt mit dem im Westen angrenzenden Kanal soll genutzt werden, so dass mitten im historischen Kontext ein neues Areal mit eigenständiger Identität entsteht.

Nachfolgende Gallerie zeigt Entwürfe von Nina Bürgel und Agnes Kurbach, Sophia Martinez und Luisa Staudinger, Ye Jin, Roman Giltaychuk und Yingying Zong, Celine Bouchire und Victor Toutain:

Workshop Shanghai

///// Sino-German partnership with 55 students (20 students from Lanzhou, 14 students from Shanghai, 21 students from Brunswick)

In einem gemeinsamen Workshop in Shanghai mit chinesischen und deutschen Studierenden wurden die entwurfsnotwendigen Grundlagen vermittelt. Es erfolgte ein Wissensaustausch auf interkultureller Ebene, zum einen in Form von Vorlesungen und Seminaren durch die betreuenden Lehrstühle und zum anderen durch studentische Referate. Gefordert wurde eine intensive Auseinandersetzung und Analyse des Entwurfsareals sowie die Entwicklung erster Konzeptideen. Parallel wurden als Einstieg in die Stadt Shanghai und die chinesische Kultur ausgewählte Architekturen und Stadtstrukturen vor Ort aufgesucht und durch Referate der chinesischen und deutschen Studierenden vorgestellt. Die Studierenden analysierten Lilongs, eine besondere Art des traditionellen Hofhauses, und verglichen diese mit modernen chinesischen Wohnbauten. So verfeinerten sie ihr Verständnis für urbane Elemente und schärften ihr Bewusstsein für Atmosphären, Typologien, Dichte und andere Charakteristika urbaner Räume. Dieses Wissen half den Studierenden, während des Workshops erste Rahmenpläne für das Entwurfsareal zu entwickeln.

Im Anschluss an den Workshop in China werden momentan die Konzepte im jeweiligen Heimatland weiterentwickelt und ausgearbeitet. Begleitend zu dieser Konzeptentwicklung findet ein steter Austausch und Dialog der chinesischen und deutschen Studierenden statt, der die unterschiedlichen Planungskulturen, Sicht- und Herangehensweisen verbindet.

During a workshop in Shanghai the Chinese and German students familiarized with the necessary knowledge to work on the project. An exchange of the ideas on an intercultural level was sought, supported by lectures, seminars and student presentations. The students had to analyse and to work intensively on the chosen area and to develop their own design ideas. At the same time the students discovered the city and selected architectural and urban districts of Shanghai and presented their information and impressions to the others. They analysed Lilongs as a special form of traditional housing in comparison to modern Chinese dwelling types and improved their understanding of city elements and their awareness of atmospheres, typologies, density, and other characteristics of urban spaces. This knowledge enabled the students to develop initial frame-plans for the site during the workshop.

After the workshop in China, the concepts are now further elaborated by the students in their home country. Simultaneously to the work on the concept there is a constant exchange and dialogue between the Chinese and the German students to connect the different structures, visions and approaches.

///// 17. – 24.03.2010

Grand Tour .09 Tessin/Emilia Romagna

///// Tessin/Emilia Romagna; 19-27.09.2009; 39 Teilnehmer

Das Tessin, die italienische Schweiz, ist gesegnet durch ein mildes Mikroklima und eine architektonische Moderne, die mit ortsbezogenen Antworten versucht, das traditionelle Bauen mit dem Fortschritt in eine befruchtende und achtsame Kontinuität zu bringen: Städte arbeiten an ihrem Charakter, Bergdörfer versuchen den Sprung in die Gegenwart und unauffällige Orte in der Peripherie der großen Nord-Süd-Autobahnroute entwickeln eine ungeahnte Identität. Namen wie Snozzi, Vacchini, Galfetti, Cavadini stehen für diese Tessiner Moderne, von deren Arbeitsweise zu lernen und abzugucken sich lohnt.

Die Emiglia Romagna ist eher den Freunden des guten Essens bekannt. Doch gibt es hier wunderbar erhaltene Stadtkerne, die zum Hausschatz der Europäischen Stadt gehören (wie Mantua, Bologna, Ferrara).

Frei von Überformungen sind aber auch die norditalienischen Städte nicht geblieben: der „Rationalismo“ der faschistischen Moderne hat schon in den 30er Jahren Stadtumbau versucht (Terragni ea.), der „Neorealismo“ der Nachkriegsmoderne, später der typologische Ansatz um Muratori und Rossi verschrieben sich der Fortentwicklung der urbanen Textur. Aktuelle Interventionen schreiben weiter am Text der Stadt.

Wir haben zwei sehr gegensätzliche Regionen besucht: das gebirgige Tessin und die in ihrer Flachheit kaum zu überbietende Region um die norditalienische Stadt Modena in der Po-Ebene. Dabei konnten wir Städtebau, Architektur und Freiraum im Kontext erleben und den Zusammenhang von Stadtraum und Alltagskultur, von Landschaft, Lebensgefühl und Geschmack nachspüren.